Wenn es anders kommt

Ausgewählte Szenarien des Deutschland Reports

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Klumpenrisiko Fahrzeugbau

Die deutsche Automobilindustrie steht vor zahlreichen Herausforderungen. Alternative Antriebstechnologien (insbesondere die Elektromobilität) und neue Geschäftsmodelle gewinnen an Bedeutung und neue Akteure wie Tesla aus den USA oder Nio und Byton aus China treten in den globalen Wettbewerb ein.

Die Basisprognose des Deutschland Reports geht davon aus, dass die deutschen Autobauer die Herausforderungen meistern. Doch was passiert, wenn das in einem oder mehreren Fällen nicht gelingt? Wie hoch wären die branchenspezifischen und gesamtwirtschaftlichen Einbußen an Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland?
Die Auswirkungen skizziert das Szenario „Klumpenrisiko Fahrzeugbau“.

Das Ergebnis des Szenarios

Der Fahrzeugbau selbst wäre am stärksten betroffen, wenn zentrale Herausforderungen der Zukunft nicht gemeistert würden. Im Szenario „fehlen“ in der Branche im Jahr 2045 knapp 40 Prozent der Produktion (-280 Milliarden Euro). Die Wertschöpfungsverluste fallen noch etwas höher aus, da die Vorleistungsbezüge aus dem Ausland an Gewicht gewinnen (-41 Prozent bzw. 88 Milliarden Euro). Die Beschäftigung im deutschen Fahrzeugbau geht um etwa 260.000 Personen (-30 Prozent) zurück.

Die Verluste im Fahrzeugbau strahlen auf die gesamte deutsche Volkswirtschaft aus. Inklusive der Effekte im Fahrzeugbau entstehen Verluste bei der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung in Höhe von 174 Milliarden Euro (-4,6 Prozent) und bei der Beschäftigung in Höhe von rund 740.000 Personen (-1,9 Prozent).

Fazit des Szenarios

Das Szenario zeigt, dass ein Euro weniger Wertschöpfung im deutschen Fahrzeugbau mit zusätzlichen, in etwa gleich hohen Verlusten in den übrigen Wirtschaftsbereichen einhergeht. Trotz dieser beachtlichen Abhängigkeit ist festzuhalten, dass Entwicklung und Perspektiven der deutschen Volkswirtschaft nicht auf den Fahrzeugbau reduziert werden sollten.
Denn selbst wenn in letzterem bis zum Jahr 2045 gut 40 Prozent der Wertschöpfung wegbrechen würden, beliefen sich die entsprechenden gesamtwirtschaftlichen Einbußen auf überschaubare 5 Prozent.
Ohnehin ist nicht damit zu rechnen, dass das Szenario in voller Radikalität zuschlagen würde. Vielmehr würden entsprechende Anpassungsprozesse – im Fahrzeugbau und in anderen Bereichen der Volkswirtschaft – für neue Beschäftigungs- und Wachstumspotenziale sorgen.


 

Auswirkungen eines langanhaltenden Handelskonflikts

Was wäre, wenn die USA – der derzeit wichtigste deutsche Exportmarkt – einen langanhaltenden Handelskonflikt initiieren?

Diesen Fall beleuchtet das Szenario „Handelskonflikt“ des Prognos Deutschland Reports. Es basiert auf der Annahme, dass die USA für mehrere Branchen Strafzölle auf bestimmte Importgüter festlegen. In der Folge würden sich US-Importe aus den Ländern, die von den Strafzöllen betroffen sind, verteuern. Des Weiteren wird angenommen, dass die betroffenen Handelspartner auf die Entscheidung der USA mit in der Summe gleich hohen Vergeltungszöllen reagieren.

Damit steht das Szenario in Kontrast zur Basisprognose des Deutschland Reports. Diese beschreibt die aus heutiger Perspektive wahrscheinlichste künftige Entwicklung der Weltwirtschaft und erwartet, dass es keine massive Ausweitung des Protektionismus gibt. Vielmehr gehen wir davon aus, dass die die Globalisierung – trotz vorübergehender Verwerfungen – weiter voranschreitet.

Das Ergebnis des Szenarios

Das Szenario Handelskonflikt zeigt: Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wäre negativ von einem verschärften Handelskonflikt mit den USA betroffen. Die Konsequenzen eines Handelskonflikts blieben jedoch relativ moderat.

In Deutschland liegt die Wirtschaftsleistung im Szenario Handelskonflikt im Jahr 2025 um rund 15 Milliarden Euro bzw. 0,5 Prozent niedriger als in unserer Basisprognose, in der keine größeren Handelskonflikte vorkommen.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist um 0,1 Prozent niedriger als in der Referenz (siehe Abbildung). In absoluten Zahlen entspricht dies einem Minus von knapp 50.000 Erwerbstätigen.

Fazit des Szenarios

Die über viele Jahre gewachsenen ökonomischen Austauschbeziehungen zwischen den USA und ihren Handelspartnern würden in den meisten Fällen selbst einen deutlichen Anstieg von Zöllen überstehen. Allerdings würde der Handel gebremst und könnte sich in seiner Struktur zugunsten von Waren und Handelspartnern verschieben, die nicht von den Zöllen betroffen sind.


 

Klimapolitische Investitionsoffensive des Staates

Es bräuchte zwanzig Milliarden Euro jährlich, um die deutschen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent (gegenüber 1990) zu reduzieren*. Was würde passieren, wenn der Staat diese klimapolitischen Maßnahmen durch eine entsprechende Kreditaufnahme finanziert?

Diesen Fall haben Prognos-Experten in dem Szenario „Klimaoffensive“ aus dem Prognos Deutschland Report berechnet. Der Deutschland Report ist die einzige umfassende Langfristprognose zur Zukunft der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft. Er erscheint zum Jahreswechsel 2018/2019. Das Szenario bezeichnet eine abweichende Entwicklung und ist Teil des Reports. Dabei hat das Szenario illustrativen Charakter und abstrahiert beispielsweise von der rechtlichen Umsetzbarkeit der skizzierten Maßnahmen.

Ergebnis des Szenarios

Unter Berücksichtigung aller gesamtwirtschaftlichen Rückkoppelungen ist der Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt um das ca. 1,5-fache höher als das jeweilige Investitionsvolumen. Das BIP liegt somit im Jahr 2045 rund 35 Milliarden Euro über dem Referenzniveau der Basisprognose des Deutschland Reports. Die zusätzliche Beschäftigung im Jahr 2045 beträgt etwa 80.000 Vollzeitäquivalente.

Fazit des Szenarios

Unter dem Strich zeigt das Szenario, dass effektive Maßnahmen zur Dämpfung des Klimawandels umsetzbar sind, ohne die fiskalischen Spielräume Deutschlands in den kommenden Jahrzehnten zu sehr zu strapazieren. Zwar wäre mit dem „Investitionspaket Klimaoffensive“ eine Verletzung der Schuldenbremse verbunden, der langfristige Schuldenstand bliebe allerdings spürbar unterhalb des europäischen Grenzwerts.

Szenarien sind keine Prognosen, sondern zeigen, welche Konsequenzen es hat, wenn bestimmte Annahmen verändert werden. Dadurch illustrieren Szenarien einen bestimmten Sachverhalt. Aussagen über ihre Eintrittswahrscheinlichkeit sind damit nicht verknüpft. Das kann auch bedeuten, dass Szenarien von möglichen rechtlichen Beschränkungen abstrahieren. Siehe z. B. im Fall der Klimaoffensive: Verletzung der Schuldenbremse, ggf. auch Widerspruch zu EU-Wettbewerbsrecht.

 

* Die Zahlen stammen aus der Studie Klimapfade für Deutschland, die Prognos gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erstellt hat.