Wie ist Prognos vorgegangen?

So haben die Prognos-Experten die Zukunftsstudie erstellt

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20, 30 Jahre in die Zukunft sehen – wie soll das gehen? Die Antwort in Kurzform: Wir bei Prognos setzen auf zwei Dinge – unser Expertenwissen über gesellschaftliche Veränderungen und unsere Modelle. Diese bilden die entscheidenden Prozesse in komprimierter Form ab.

Die Antwort im Detail

Modellgestützte Analysen und wissenschaftliche Expertise bilden die Grundlage für die langfristigen Analysen des Deutschland Reports. Dafür identifizieren die Studienautorinnen und -autoren die zentralen Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft – etwa die Demografie oder den technischen Fortschritt. Diese Rahmenbedingungen denkt das Expertenteam weiter – und erstellt mithilfe unserer technisch-ökonomischen Modelle quantitative Prognosen.
Prognosen sind letztlich (nur) so gut wie ihre Annahmen. Deshalb werden auch unsere Prognosen niemals in allen Punkten richtig sein. Dennoch geben sie wichtige Orientierung für Politik und Wirtschaft. Denn sie zeigen, was passiert, wenn keine unvorhersehbaren Ereignisse – sogenannte Black Swans – eintreten.

Prognosen irren immer – warum man sie trotzdem braucht

Es geht bei Prognosen darum, die langfristigen Entwicklungslinien aufzuzeigen. Was dann konkret passiert, hängt von der Reaktion der Akteure ab, in Deutschland und der Welt.  Mithilfe von Szenarien, in denen bestimmte Annahmen gezielt variiert werden, kann ermittelt werden, was passiert, wenn die Dinge sich anders entwickeln, als in der Prognose angenommen. Deshalb haben die Prognos-Expertinnen und -Experten im Deutschland Report neben die „Basis“-Prognose verschiedene Szenarien gestellt. Damit gibt der Report Orientierung für die langfristigen Auswirkungen von heutigen Entscheidungen oder Handlungen.

Die Modelle des Deutschland Reports

Zentrales „Werkzeug“ für die Erstellung des Deutschland Reports ist VIEW – ein Prognose- und Simulationsmodell, welches die 42 ökonomisch bedeutendsten Länder und damit über 90 Prozent der aktuellen globalen Wirtschaftsleistung abdeckt. Für jedes Land werden etwa 600 demografische und ökonomische Variablen erfasst. VIEW ermöglicht eine detaillierte Darstellung der zukünftigen Entwicklung der Weltwirtschaft. Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Ländern und Branchen werden in die Berechnung einbezogen.Darüber hinaus können mit VIEW verschiedenste Szenarien erstellt werden, die alternative historische oder zukünftige Entwicklungen und ihre Konsequenzen berechnen. Der neue Deutschland Report umfasst derartige Szenarien: Unter anderem beleuchtet der Report die Auswirkungen eines anhaltenden Handelskonflikts und die langfristigen Effekte einer veränderten deutschen Schuldenpolitik. So lassen sich die Konsequenzen unterschiedlicher möglicher Entwicklungen abschätzen. (Sie haben Interesse an einem bestimmten Szenario? Fragen Sie uns, wir beraten Sie gern.)

Eng verknüpft mit VIEW ist unser Sozialversicherungsmodell OCCUR. Mit OCCUR können die zukünftigen Ausgaben und Einnahmen der verschiedenen Zweige der deutschen Sozialversicherung sowie ihre jeweiligen Rückwirkungen bestimmt werden. Auch hier dienen Szenarien der Analyse von Reformoptionen, von doppelten Haltelinien bis hin zu den Potenzialen einer Erwerbstätigenversicherung. (Sie möchten wissen, wie sich eine bestimmte Reformoption auswirkt? Wir rechnen gerne für Sie.)

Prognosen für die Entwicklung auf regionaler Ebene werden mit dem regionalökonomischen Modell REGINA erstellt. REGINA bildet alle 401 deutschen Kreise und kreisfreien Städte detailliert ab, inklusive Wertschöpfung und Beschäftigung auf der Ebene von 63 Branchen.

Warum sieht der Deutschland Report so weit in die Zukunft?

Der Deutschland Report fokussiert bewusst auf verschiedene Horizonte, nämlich auf 2025, 2035 und 2045. Langfristprognosen wird häufig weniger Beachtung geschenkt. Hintergrund ist oftmals die fehlende Vorstellungskraft über lange Zeiträume. Niemand kann die Zukunft vorhersehen, auch Prognos nicht. Was wir aber können und was wir tun ist, auf Basis plausibler und wahrscheinlicher Annahmen Prognosen zur zukünftigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu erstellen. Genau wie Entscheidungen unterschiedlich lange Auswirkungen haben, nehmen wir unterschiedliche Zeitpunkte genauer in den Blick. Beispielsweise kann ein Investitionszyklus 5-10 Jahre dauern, eine Infrastrukturentwicklung braucht womöglich 20 Jahre, um realisiert zu werden und eine Reform des Alterssicherungssystems muss im demografischen Wandel für 30 und mehr Jahre Stabilität und Finanzierungssicherheit bringen.

Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse des Deutschland Reports?

Typische Kurzfristprognosen wie Vorhersagen zur konjunkturellen Entwicklung im laufenden oder im nächsten Jahr weisen oft keine hohe Treffsicherheit auf. Denn sie müssen zahlreiche, kurzfristig oft stark schwankende Entwicklungen berücksichtigen, die sich kaum vorhersagen lassen – etwa politische Richtungsänderungen (Stichwort Trump) oder Wettereignisse (z. B. Hurrikans). Prognosefehler sind deshalb vorprogrammiert und nicht zu vermeiden. Bei Langfristprognosen handelt es sich häufig um die Vorhersage vergleichsweise stabiler Trends, beispielsweise um die Entwicklung der Lebenserwartung oder der Globalisierung. Auch hier gibt es zahlreiche Störfaktoren. Aber die Erfahrung zeigt, dass Trends längerfristig oft stabiler sind als kurzfristig und die Ergebnisse von Langfristprognosen dadurch vergleichsweise belastbar sind.

Ein Beispiel sind vorübergehend erhobene oder erhöhte Zölle. Diese haben kurzfristig einschneidende Folgen, belasten die betroffenen Akteure und beeinflussen unmittelbar das Handeln. Gleichwohl haben sie auf den langfristigen Globalisierungstrend keinen nachhaltigen Einfluss. Sie zeichnen sich als Delle in der aufsteigenden Globalisierungskurve ab, führen aber nicht zu einer Trendabschwächung oder gar zu einer Trendumkehr. Und je schneller die von Strafzöllen betroffenen Länder ihre Strategien an die veränderte Lage anpassen – etwa indem sie neue Handelspartner finden –, desto kleiner ist diese „Delle“.