FAQ

Suchen Sie mittels Stichworten innerhalb der FAQ

FAQ

Allgemeine Fragen

» In die Zukunft schauen – ist das nicht Hokuspokus mit der Glaskugel?

Die Zukunft vorhersagen kann natürlich niemand. Es ist aber möglich, Prognosen zur zukünftigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu erstellen, die auf plausiblen und wahrscheinlichen Annahmen beruhen. Diese Annahmen vernünftig zu treffen setzt Erfahrung und Expertise voraus. Statt Glaskugeln nutzt man verlässliche Instrumente, nämlich Modelle – und diese sollten möglichst erprobt sein. Unsere Modelle setzen wir seit vielen Jahren für wiederkehrende Fragestellungen ein. Daher können wir die Ergebnisse retroperspektiv überprüfen und die Modelle fortlaufend verbessern. Die Wechselwirkungen und Dynamiken der jeweiligen Modell-Segmente bilden wir mit fundierten Methoden und Algorithmen ab und prüfen sie u. a. durch Testroutinen und Sensitivitätsrechnungen. Dadurch werden die Modelle immer besser. Wo es möglich und sinnvoll ist, verknüpfen wir die Modelle miteinander.

» Wie verlässlich sind die Ergebnisse von Prognosen?

Jede Prognose ist letztlich nur so gut wie ihre Annahmen. Deshalb werden auch die Prognosen von Prognos niemals in allen Punkten richtig sein. Dennoch geben sie eine wichtige Orientierung für Politik und Wirtschaft. Denn sie zeigen, was passiert, wenn keine unvorhersehbaren Ereignisse – und unvorhersehbar heißt: nicht vorhersehbar – eintreten. Mithilfe von Szenarien, in denen bestimmte Annahmen gezielt variiert werden, kann ermittelt werden, was passiert, wenn die Dinge sich anders entwickeln als in der Prognose angenommen. Deshalb haben wir im Deutschland Report neben die „Basis“-Prognose zwei Szenarien gestellt.

» Was ist der Sinn von Prognosen?

Es geht darum, die langfristigen Entwicklungslinien aufzuzeigen. Was dann konkret passiert, hängt von der Reaktion der Akteure ab, in Deutschland und der Welt. In diesem Sinne zeigt eine Prognose „Was wäre, wenn?“. Sie gibt damit Orientierung für die langfristigen Auswirkungen von heutigen Entscheidungen oder Handlungen. Prognosen sind unverzichtbar, denn sie zeigen die Auswirkungen dessen, was wir heute tun – oder unterlassen. Typische Handlungsfelder sind die Rente, das Energiesystem, die Bildungs- oder die Familienpolitik, die sich über langfristige Planungszeiträume erstrecken (siehe auch: Warum blickt der Deutschland Report so weit in die Zukunft?).

» Sind Langfristprognosen nicht viel zu vage?

Typische Kurzfristprognosen wie Vorhersagen zur konjunkturellen Entwicklung im laufenden oder im nächsten Jahr weisen oft keine hohe Treffsicherheit auf. Denn sie müssen zahlreiche, kurzfristig oft stark schwankende Entwicklungen berücksichtigen, die sich nicht wirklich vorhersagen lassen. Prognosefehler sind deshalb nicht zu vermeiden. Bei Langfristprognosen handelt es sich häufig um die Vorhersage vergleichsweise stabiler Trends, beispielsweise um die Entwicklung der Geburtenrate oder der Globalisierung. Auch hier gibt es zahlreiche Störfaktoren. Aber die Erfahrung zeigt, dass Trends längerfristig oft stabiler sind als kurzfristig und dass die Ergebnisse von Langfristprognosen dadurch vergleichsweise belastbar sind.

» Wer sind die Macher des Deutschland Reports?

Die Erfinder des Deutschland Reports sind die Gründerväter von Prognos – seit 1964 erscheint der Report etwa alle vier bis fünf Jahre. Inzwischen haben mehrere Generationen von Volkswirtinnen und Volkswirten, deren Expertise in unseren Modellen weiterlebt, an den verschiedenen Ausgaben mitgewirkt. Der aktuelle Deutschland Report wurde im Kern von neun Forscherinnen und Forschern der Prognos erstellt. Darüber hinaus ist die Expertise aus der gesamten Prognos eingeflossen. Näheres zum Team erfahren Sie hier.

» Was ist das Ziel des Deutschland Reports?

Der Report soll Orientierung geben. Entscheidungen sollten immer auf der Basis möglichst umfassender und fundierter Informationen getroffen werden. Dazu gehört es, auch die mittel- und langfristigen Auswirkungen von Entscheidungen zu berücksichtigen. Hierfür sind Prognosen und/oder Szenarien unverzichtbar. Erprobte Modelle und viel Erfahrung helfen, diese Prognosen so belastbar und aussagekräftig wie möglich zu machen.

» Warum blickt der Deutschland Report so weit in die Zukunft?

Der Deutschland Report betrachtet bewusst verschiedene Zeitpunkte, nämlich 2025, 2035 und 2045. Allerdings wird Langfristprognosen oft weniger Beachtung geschenkt als Kurz- und Mittelfristprognosen, weil es schwerfällt sich vorzustellen, was langfristig passiert. Genau wie Entscheidungen unterschiedlich lange Auswirkungen haben, nehmen wir unterschiedliche Zeitpunkte genauer in den Blick. Beispielsweise kann ein Investitionszyklus 5 bis 10 Jahre dauern, eine Infrastrukturentwicklung braucht womöglich 20 Jahre, um realisiert zu werden und eine Reform des Alterssicherungssystems muss im demografischen Wandel für 30 und mehr Jahre Stabilität und Finanzierungssicherheit bringen.

» Was sind Black Swans?

Unter Black Swans versteht man seltene, nicht vorhergesehene Ereignisse, deren Eintreten gravierende Konsequenzen haben und für die im Nachhinein einfache und verständliche Erklärungen gesucht werden. Ein typisches Beispiel ist die Finanzkrise 2008/2009. In unseren Prognosen berücksichtigen wir keine Black Swans. Zum einen, weil sie nicht vorhersehbar sind, zum anderen, weil ihre Eintrittswahrscheinlichkeit sehr gering ist. So könnte die Erfindung eines funktionierenden Krebsmedikaments unsere Annahmen zur Lebenserwartung über den Haufen werfen. Auch einen Terroranschlag, in dessen Folge sich die Militärausgaben erhöhen und die Investitionsspielräume schrumpfen, nehmen wir nicht an. Das Gleiche gilt für Extremwetterereignisse, die die Industrien in wichtigen Exportländern ausbremsen, oder den überraschenden Durchbruch einer neuen Stromspeichertechnologie.

» Wer ist Prognos?

Die Prognos AG ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsunternehmen Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Experten seit 1959 für verschiedene Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert. Die bewährten Modelle der Prognos AG liefern die Basis für belastbare Prognosen und Szenarien. Mit rund 150 Expertinnen und Experten ist das Unternehmen an acht Standorten vertreten: Basel, Berlin, Düsseldorf, Bremen, München, Stuttgart, Freiburg und Brüssel. Die Projektteams arbeiten interdisziplinär, verbinden Theorie und Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Wer uns beauftragt

Mit wem wir zusammenarbeiten

Wie wir arbeiten

» Die Welt ändert sich so schnell – wie kann Prognos überhaupt langfristig Vorhersagen treffen?

Bei Langfristprognosen handelt es sich häufig um die Vorhersage vergleichsweise stabiler Trends, beispielsweise um die Entwicklung der Geburtenrate oder der Globalisierung. Die Erfahrung zeigt, dass Trends längerfristig oft stabiler sind als kurzfristig und die Ergebnisse von Langfristprognosen dadurch vergleichsweise belastbar sind. Zudem beruhen die Ergebnisse des Deutschland Reports auf transparenten Annahmen. Wenn diese Annahmen eintreffen, haben die Prognosen eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit. Allerdings wissen wir heute nicht, welche unerwarteten Ereignisse in Zukunft eintreten. Deshalb erstellen wir Szenarien, die zeigen, was passiert, wenn sich die Rahmenbedingungen anders entwickeln, als von uns in der Basisprognose unterstellt. Im Deutschland Report haben wir beispielsweise ein Szenario erarbeitet, dass die Konsequenzen eines fortgesetzten Handelskonfliktes zeigt. Weitere Szenarien sind denkbar – so etwa zum Brexit, wenn dessen konkrete Ausgestaltung bekannt wird.

» Werden Prognosen nicht ständig von unvorhersehbaren Ereignissen wie der Wahl von Donald Trump oder dem Brexit zunichtegemacht?

Unvorhergesehene Ereignisse treten ständig auf. Wichtig ist, hier zwischen solchen Ereignissen zu unterscheiden, die kurzfristige Auswirkungen haben (einzelnes Unwetter), und solchen mit potenziell längerfristigen Konsequenzen (Brexit). Kurzfristig wirksame Ereignisse beeinflussen Aussagen zur langfristigen Entwicklung allenfalls minimal. Ereignisse mit Langfristfolgen müssen dagegen berücksichtigt werden. Sie können Anlass dafür sein, bestehende Langfristprognosen zu überarbeiten oder um Szenarien zu ergänzen.

» Wieso fallen die Prognosen des aktuellen Deutschland Reports für die kommenden Jahrzehnte anders aus als die der vorangegangenen Reports?

Die Prognosen des Deutschland Reports 2025 | 2035 | 2045 berücksichtigen aktuelle Entwicklungen im internationalen Umfeld, in der Politik und in der Technologie. Dazu gehört beispielsweise die gegenüber der Vergangenheit verlangsamte Globalisierung. Als Folge davon fallen die Wachstumsprognosen verhaltener aus als im Deutschland Report von 2014.

» Was ist denn mit den Prognosen vorheriger Deutschland Reports – sind diese noch gültig?

Um diese Frage zu beantworten, muss man etwas genauer hinsehen. Beispielsweise ist die bereits in den letzten Deutschland Reports getroffene Aussage nach wie vor richtig, dass in Deutschland das Erwerbspersonenpotenzial mittel- und langfristig zurückgeht. Durch die in den vergangenen Jahren verstärkte Zuwanderung hat sich das Tempo des Rückgangs aber verringert, wodurch sich die Situation am Arbeitsmarkt tendenziell etwas entspannt. Der Trend an sich hat sich nicht verändert, aber seine Ausprägung weicht vom vorherigen Report ab. Das trifft in ähnlicher Weise auch für andere Bereiche der Prognose zu. Da eine Kernaufgabe der Politik darin besteht, auf die Zukunft Einfluss zu nehmen, indem sie auf jeweils aktuelle oder prognostizierte Entwicklungen reagiert, ist klar, dass Prognosen nie eine „fertige“ Zukunft darstellen können. Rahmenbedingungen ändern sich.

Methodik – Wie wurde das Ergebnis ermittelt?

» Wie gehen Sie vor, wenn Sie Annahmen treffen?

Nehmen wir die demografische Entwicklung – eine Rahmenbedingung, die großen Einfluss auf die Gesamtentwicklung von Gesellschaft und Wirtschaft hat, z. B. auf den Arbeitsmarkt oder die Rente.  Sie hängt von drei Faktoren ab: (a) der Lebenserwartung, (b) der Geburtenhäufigkeit, (c) der Zu- und Abwanderungen.
Die Lebenserwartung steigt trendmäßig, und wir können gut einschätzen, wie sie sich entwickeln wird – jedenfalls wenn keine unerwarteten Ereignisse eintreten (wie etwa der Durchbruch im Kampf gegen den Krebs oder andere Black Swans).

Bei den Geburten ist die Entwicklung ähnlich vorhersehbar: Denn selbst wenn in einem Jahr plötzlich mehr Kinder pro Frau geboren werden als angenommen, ändert dies unterm Strich nur wenig. Die Anzahl der Frauen der aktuellen Generation bleibt gleich – nämlich deutlich kleiner als vorherige Generationen. Somit bleibt die eigentliche Hauptursache des demografischen Wandels bestehen. Sie liegt in der Vergangenheit. Und auch mit Blick in die Zukunft wird die Trägheit der Demografie deutlich: Eine heute höhere Geburtenrate hätte erst in der nächsten Generation substanzielle Auswirkungen (eine Art „Zinses-Zins“-Effekt, man spricht hier vom Echo-Effekt der demografischen Entwicklung); auf den Arbeitsmarkt würde sie gar erst in zwei Generationen spürbar wirken.

Zuletzt betrachten wir die Zu- und Abwanderung. In der Regel unterstellt man bei Prognosen eine „weiter wie bisher“-Politik. Dann erhält man Ergebnisse, die nur dann eintreten, wenn die Rahmenbedingungen (in etwa) gleich bleiben. Wenn die unter diesen Rahmenbedingungen eintretenden Ergebnisse jedoch politisch unerwünscht sind, dann wird – nach unserer Annahme und historischer Erfahrung – die Politik etwas unternehmen, damit es anders kommt. Wir unterstellen deshalb, dass die Politik auf die demografische Situation – beispielsweise aufgrund eines Fachkräftemangels in der Pflege – reagieren wird, und nehmen im Deutschland Report langfristig eine Zuwanderung in Höhe von durchschnittlich 200.000 Personen im Jahr an.
Am Ende weiß niemand genau, wie hoch die Zuwanderung sein wird. Denn die Politik greift gestaltend ein, und es könnten auch bei der Zuwanderung Black Swans auftreten (etwa, wenn neue Kriege oder Klimakatastrophen Wanderungsbewegungen verursachen). Diese Unsicherheit lässt sich nicht wegdiskutieren. Umso wichtiger ist es, die Annahmen offenzulegen.

Andere Szenarien – z. B. die Auswirkung von mehr oder weniger Zuwanderung, etwa auf die Sozialsysteme oder den Arbeitsmarkt – können alternativ berechnet werden.

» Wie wurde das Ergebnis ermittelt?

Die Ergebnisse basieren auf Daten aus der amtlichen Statistik, die in die volkswirtschaftlichen Prognose-Modelle der Prognos eingespeist wurden. Kern unserer Berechnungen ist das globale Prognose- und Simulationsmodell VIEW, gepaart mit unserem Demografie-Modell sowie dem Sozialversicherungsmodell OCCUR. Diese Modelle haben unterschiedliche thematische Schwerpunkte und bilden diese differenziert ab.

» Wie hat Prognos die Berechnungen für die Studie durchgeführt?

Zentrales „Werkzeug“ für die Erstellung des Deutschland Reports ist VIEW – ein Prognose- und Simulationsmodell, welches die 42 ökonomisch bedeutendsten Länder und damit über 90 Prozent der aktuellen globalen Wirtschaftsleistung abdeckt. Für jedes Land werden etwa 600 demografische und ökonomische Variablen erfasst. VIEW ermöglicht eine detaillierte Darstellung der zukünftigen Entwicklung der Weltwirtschaft. Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Ländern und Branchen werden in die Berechnung einbezogen.Darüber hinaus können mit VIEW verschiedenste Szenarien erstellt werden, die alternative historische oder zukünftige Entwicklungen und ihre Konsequenzen berechnen. Der neue Deutschland Report umfasst derartige Szenarien: Unter anderem beleuchtet der Report die Auswirkungen eines anhaltenden Handelskonflikts und die langfristigen Effekte einer veränderten deutschen Schuldenpolitik. So lassen sich die Konsequenzen unterschiedlicher möglicher Entwicklungen abschätzen.

Eng verknüpft mit VIEW ist unser Sozialversicherungsmodell OCCUR. Mit OCCUR können die zukünftigen Ausgaben und Einnahmen der verschiedenen Zweige der deutschen Sozialversicherung sowie ihre jeweiligen Rückwirkungen bestimmt werden. Auch hier dienen Szenarien der Analyse von Reformoptionen, von doppelten Haltelinien bis hin zu den Potenzialen einer Erwerbstätigenversicherung.

Prognosen für die Entwicklung auf regionaler Ebene werden mit dem regionalökonomischen Modell REGINA erstellt. REGINA bildet alle 401 deutschen Kreise und kreisfreien Städte detailliert ab, inklusive Wertschöpfung und Beschäftigung auf der Ebene von 63 Branchen.

Fragen zu den Ergebnissen der Studie

» Wie zuverlässig sind die Ergebnisse angesichts der bestehenden großen Unsicherheiten, z. B. des Handelsstreites mit den USA?

Die Ergebnisse des Deutschland Reports beruhen auf transparenten Annahmen. Wenn diese Annahmen eintreffen, haben die Prognosen eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit. Allerdings wissen wir heute nicht, welche unerwarteten Ereignisse in Zukunft eintreten. Deshalb erstellen wir Szenarien, die zeigen, was passiert, wenn sich die Rahmenbedingungen anders entwickeln als von uns in der Basisprognose unterstellt. Im Deutschland Report haben wir beispielsweise ein Szenario erarbeitet, dass die Konsequenzen eines fortgesetzten Handelskonfliktes zeigt.

» Zurzeit kriselt es an vielen Stellen der Welt. Ist es vor diesem Hintergrund realistisch, dass die deutsche Wirtschaft weiterhin wächst?

Krisen sind ein ständiges Phänomen in der Welt. Die aktuelle Situation birgt auch Risiken für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft, und es ist nicht auszuschließen, dass das Wachstum darunter kurzfristig leidet. Umso wichtiger ist es, den Blick etwas weiter voraus zu werfen, um die mittel- und langfristigen Trends zu erkennen. Und hier sieht es für Deutschland gut aus. Eine starke Industrie in Verbindung mit leistungsfähigen Dienstleistungsunternehmen sind angesichts weltweit wachsender Märkte eine gute Voraussetzung für eine anhaltend positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Das schließt nicht aus, dass wir auch in naher oder fernerer Zukunft vorübergehend rezessive Phasen erleben könnten.