Die zentralen Ergebnisse

Wie Deutschland sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird

©iStock - elxeneize

Globaler, digitaler, grüner und älter: So wird sich Deutschland in den nächsten 30 Jahren entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt der Prognos Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045. Der Report basiert auf modellgestützten Langfristprognosen und wissenschaftlicher Expertise. Er vereint eine Vielzahl von qualitativen und quantitativen Analysen zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und bietet damit politischen Entscheidungsträgern und der interessierten Öffentlichkeit fundierte Orientierung in bewegten Zeiten. Die gesamte Studie wird zum Jahreswechsel 2018/2019 als Buch veröffentlicht.

 

Die zentralen Ergebnisse in Kurzform:

  • Die Globalisierung lässt sich nicht aufhalten. Der von den USA ausgehende Handelskonflikt wird sie zwischenzeitlich einbremsen, aber nicht zum Erliegen bringen. Angetrieben wird die Ausweitung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen zum einen von neuen Technologien, zum anderen von wachsenden Mittelschichten in den heutigen Entwicklungs- und Schwellenländern. Diese Länder werden im Hinblick auf ihr Pro-Kopf-Einkommen auch langfristig weit unter dem Niveau der Industrieländer bleiben – trotz ihrer zunehmenden Integration in die Weltwirtschaft und ihrer überdurchschnittlichen Wachstumsraten. » Mehr dazu

 

  • Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Die menschliche Arbeit wird dabei nicht überflüssig. Der technologische Fortschritt stellt allerdings neue und steigende Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten in Deutschland. Eine gute Ausbildung und berufsbegleitende Weiterbildung sind Voraussetzungen für die anhaltende Beschäftigungsfähigkeit des Einzelnen und fortgesetztes Wirtschaftswachstum. Automatisierung und Robotik ermöglichen neue und effizientere Produktionsformen. Die Arbeitswelt 4.0 braucht dabei nicht nur bessere Qualifikationen, sondern auch neue ordnungspolitische Regeln. » Mehr dazu

 

  • Zwischen den Bundesländern wird es auch in Zukunft erhebliche wirtschaftliche Unterschiede geben. Weil die Wirtschaft in den ostdeutschen Bundesländern langsamer wächst als im Westen, erwarten die Prognos-Experten langfristig keinen „Aufholprozess Ost“ bei den wirtschaftlichen Kennzahlen. Eine wesentlicher Hemmfaktor ist die ungleiche demografische Entwicklung. » Mehr dazu

 

  • Ein international abgestimmtes Vorgehen zum Klimaschutz ist in weite Ferne gerückt. Neben dem Klimaschutz wird deshalb die Anpassung an den Klimawandel wichtiger. Die Entwicklung von Klimaschutztechnologien stärkt die Innovationskraft der Wirtschaft, ihr Einsatz verringert die Abhängigkeit von Energiepreisschwankungen. Klimaschutztechnologien werden zukünftig verstärkt in China entwickelt. Deutschland büßt seine Vorreiterrolle im Klimaschutz ein.

 

  • In Deutschland – wie auch in vielen anderen Ländern – wird die Bevölkerung zunehmend altern. Die Zahl von Personen im Erwerbsalter geht deutlich zurück, und die der Personen im Rentenalter steigt stark an. Herausforderungen entstehen dadurch für den Arbeitsmarkt ebenso wie für die Sozialsysteme. » Mehr dazu

 

  • Die deutsche Wirtschaft wächst weiter. Gegenüber den vergangenen 20 Jahren bleibt das Wachstumstempo bis 2045 nahezu unverändert. Allerdings flacht die Kurve gegen Ende des Prognosezeitraums hin merklich ab. Hinter dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum stehen zwei Entwicklungen: Zum einen geht aufgrund des demografischen Wandels die Anzahl der Personen im Erwerbsalter zurück und bremst das Wachstum. Zum anderen steigt die Produktivität deutlich: Im Jahr 2045 erwirtschaftet jeder Erwerbstätige rund 100.000 Euro, das sind rund zwei Drittel mehr als 2016. Als Folge dieser Veränderungen verringert sich langfristig die Beschäftigung. » Mehr dazu

 

  • Die Sozialversicherungen werden vom demografischen Wandel massiv beeinflusst, im „digitalen Wandel“ gilt dies umso mehr. Die sozialen Sicherungssysteme sind für die klassischen Arbeitsverhältnisse der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts konzipiert. Schwankende Einnahmen, häufige Jobwechsel, internationale Mobilität werden nicht adäquat berücksichtigt. Unter dem Strich wird damit die Finanzierung schwieriger. Die Beitragssätze werden steigen, zugleich verändert sich die Bemessungsgrundlage. Der Sozialstaat braucht neue Lösungen. » Mehr dazu

 

  • Der wirtschaftliche Strukturwandel zeigt sich vor allem bei der Beschäftigung. Der Anteil der Dienstleistungen legt langfristig deutlich zu, die Industrie verliert relativ an Bedeutung. Gemessen an der Wirtschaftsleistung gewinnen beide Sektoren Anteile hinzu. Deutschland verfügt auch langfristig über einen starken industriellen Kern. » Mehr dazu

     

    Der Deutschland Report enthält auch Informationen zu einzelnen Branchen der deutschen Wirtschaft. Ein Beispiel für ein Branchenbild ist hier nach Anmeldung zum Download erhältlich:

    Die Themen im Fokus

    » Globalisierung

    Die zunehmende Verflechtung einzelner Volkswirtschaften durch grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten sowie durch Exporte und Importe von Endprodukten haben das globale Wachstum in der Vergangenheit maßgeblich bestimmt. Gerade in den 1990er- und 2000er-Jahren ist die Globalisierung rasant vorangeschritten. Zentrale Treiber dieser Entwicklung waren: der Fall des Eisernen Vorhangs mit der Ausweitung europäischer Wertschöpfungsketten Richtung Osten, die Integration Chinas in die globalen Warenströme und nicht zuletzt die Schaffung des europäischen Binnenmarkts. Der Welthandel wuchs rapide und übertraf das Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts bei Weitem. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 änderte sich das – die Globalisierung verlor an Tempo.

    Für die Zukunft erwartet der Deutschland Report – trotz der aktuellen Konfliktlinien im internationalen Handel – eine Fortsetzung der Globalisierung. Sie wird jedoch etwas langsamer verlaufen als in der Vergangenheit. Ein wesentlicher Grund dafür ist das bereits erreichte Niveau der globalen Verflechtungen. Ereignisse, welche die Globalisierung wesentlich beschleunigen würden, sind nicht absehbar. Im Gegenteil. Bereits seit Längerem ist zu beobachten, dass umfassende multilaterale Ansätze zur wirtschaftlichen Globalisierung nicht vorankommen (z. B. im Rahmen der WTO). Stattdessen erleben bilaterale Freihandelsabkommen einen großen Bedeutungsgewinn. Diese Entwicklung geht weiter (z. B. EU–Kanada, EU–Japan, EU–Mexiko, TPP ohne die USA).

    Auch eine in immer mehr Ländern um sich greifende Skepsis gegenüber der Globalisierung dämpft deren Dynamik. Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation und fühlen sich als Globalisierungsverlierer. Dabei ist völlig offen, wie ihre Situation ohne eine fortschreitende internationale Arbeitsteilung heute aussehen würde. Die prominenteste Reaktion auf diese Unzufriedenheit sind die protektionistischen Bestrebungen der USA.

    Dass der Deutschland Report trotz dieser Widrigkeiten von einer Fortsetzung der Globalisierung ausgeht, hat politische und ökonomische Gründe:

    • Eine Politik, die Wachstum bremst und Wohlstand vernichtet, lässt sich auf Dauer nicht durchhalten. Unternehmen mit komplexen grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten und Absatzmärkten werden darauf hinwirken, dass die Politik auf den Weg der ökonomischen Vernunft zurückkehrt. Bestehende Verflechtungen lassen sich nicht schadlos zurücknehmen. Leider offenbart aber derzeit so mancher Akteur ein sehr naives Verständnis von Handelspolitik.
    • Die in den heutigen Entwicklungs- und Schwellenländern wachsenden Mittelschichten fragen verstärkt Produkte aus den etablierten Industrieländern nach. Neben Qualitätsaspekten geht es dabei um Image- und Prestigeargumente. Gleichzeitig wächst in Asien und Afrika die Bevölkerung. Damit bieten diese Regionen attraktive Möglichkeiten für den Aufbau arbeitsintensiver Produktionen.
    • China wird ein Motor des Welthandels bleiben, wenngleich nicht ohne eigene Probleme. Mit Infrastrukturinvestitionen in Afrika baut China seine Position als wirtschaftlicher global player aus, gleichzeitig arbeitet es an der neuen Seidenstraße und im Rahmen der Strategie Made in China 2025 an der Transformation zur führenden Industrienation.

     

    Detaillierte Prognosen und weiterführende Analysen finden Sie im neuen Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045

    » Digitalisierung

    Die Digitalisierung verändert die Lebenswirklichkeit. In der Arbeitswelt verschwinden bestehende Berufe und Tätigkeiten, gleichzeitig entstehen neue Jobs. Von den Veränderungen sind nahezu alle Bereiche betroffen. In Zukunft werden die Beschäftigten weniger Routinearbeiten erledigen müssen. Dafür stehen zunehmend Daten und Algorithmen im Mittelpunkt der Arbeit. Das Zusammenspiel und die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine wird neu definiert. Um die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten, ist eine fortgesetzte Weiterbildung erforderlich, gerade auch in digitalisierungsnahen Themenfeldern wie Programmiersprachen, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen. Ergänzend dazu sind angepasste Inhalte in Schule, Ausbildung und Studium erforderlich.

    Gleichzeitig erfordert die Digitalisierung neue Qualifikationen. Wichtiger werden Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz, Kreativität. Beispielsweise wird es für einen Arzt in Zukunft weniger darum gehen, die richtige Diagnose zu erstellen und eine angemessene Therapie vorzuschlagen. Das kann eine durch maschinelles Lernen geschulte Maschine im Zweifel besser und zuverlässiger. Aber die Ergebnisse mit dem Patienten zu besprechen, gerade wenn sie unerfreulich oder heikel sind, wird eine wichtige Aufgabe des menschlichen Arztes bleiben.

    Die Digitalisierung nimmt auch Einfluss auf die Art und Zusammensetzung der Einkommen. An der Hauptquelle der Einkommenserzielung dürfte sich gleichwohl nicht viel ändern: Nichtselbstständige Arbeit bleibt auch in Zukunft die dominierende Einkommensquelle. Die Digitalisierung wird aber zu einer (weiteren) Diversifizierung beitragen. Wenn sich zunehmend Freelancer, Crowdworker und Solo-Selbstständige auf dem Arbeitsmarkt ausbreiten, werden Einkünfte unbeständiger. Sie unterliegen stärkeren Schwankungen und kommen häufig aus vielen verschiedenen Quellen.

    Für die Wirtschaft stellt die Digitalisierung eine entscheidende Voraussetzung für ein fortgesetztes Wachstum dar. Die digitale Transformation eröffnet den Unternehmen ganz neue Möglichkeiten für Produktivitätssteigerungen oder die Etablierung innovativer Produkte und Leistungen. Sie stellt jedoch auch traditionelle Geschäftsmodelle in Frage und erleichtert neuen Wettbewerbern den Markteinstieg. Einen Vorteil in diesem Transformationsprozess stellen die traditionellen Stärken der deutschen Industrie dar, qualitativ hochwertige Präzisionsmaschinen, Anlagen und Produkte herzustellen. In Kombination mit digitalen Features lassen sich Produktionsverfahren entscheidend verbessern (z. B. Vernetzung) oder revolutionieren (z. B. 3-D-Druck) und bekannten Produkten können völlig neue Eigenschaften verliehen werden.

    Darüber hinaus lassen sich zuvor nicht realisierbare Geschäftsmodelle entwickeln. Durch die Verbindung der alten Welt der Mechanik und Elektronik mit der neuen Welt der Bits und Bytes bieten sich denjenigen Unternehmen Chancen, die in beiden Welten zu Hause sind. Oft wird es hierzu Kooperationen bedürfen, mit innovativen Start-ups oder auch mit einem der Internet-Giganten.

    Zunehmend an Bedeutung gewinnen werden Fragen zur Cybersicherheit, sowohl für Unternehmen, die ihr intellektuelles Firmenkapital schützen wollen, aber auch für jeden Einzelnen, der Wert auf Privatsphäre und digitale Selbstbestimmung legt.

     

    Detaillierte Prognosen und weiterführende Analysen finden Sie im neuen Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045

    » Demografie

    Weltweit wächst die Weltbevölkerung den Prognosen der UN zufolge bis 2045 auf 9,5 Milliarden Menschen an. Das entspricht einer Zunahme um knapp zwei Milliarden Menschen, allein die Hälfte davon in Afrika. 55 Prozent der Weltbevölkerung lebt im Jahr 2045 in Asien. In Mittel- und Südamerika ist die Zunahme mit rund 100 Millionen Menschen vergleichsweise gering und auch Nordamerika legt nur um 60 Millionen Einwohner zu. Europa hingegen schrumpft. Die UN rechnen für 2045 nur noch mit 720 Millionen Menschen auf dem europäischen Kontinent, 20 Millionen weniger als heute.

    Diese Entwicklung geht auch an Deutschland nicht vorbei. Dabei schrumpft die deutsche Bevölkerung deutlich weniger, als noch vor einigen Jahren angenommen. Die Migrationsbewegungen der letzten Jahre tragen dazu bei, dass lediglich mit einem Rückgang um 2,5 Prozent zu rechnen ist. Zum Ende des Betrachtungshorizonts werden damit immer noch etwa 80 Millionen Menschen in Deutschland leben. Gravierender als die Bevölkerungszahl sind allerdings die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur.

    In Deutschland – wie auch in vielen anderen Ländern – zeigen sich im Prognosezeitraum massive Verschiebungen der Altersstruktur. So geht die Zahl der Personen im Erwerbsalter bereits bis 2025 um knapp zwei Millionen zurück, bis 2045 um mehr als sieben Millionen. Gleichzeitig leben in Deutschland immer mehr Menschen im Rentenalter. Ihre Zahl steigt bis 2045 auf 23,3 Millionen, ein Drittel mehr als 2016. Bis 2025 beträgt der Zuwachs gegenüber 2016 bereits über zwei Millionen oder 13 Prozent. Der Altenquotient (die Zahl der 65-Jährigen und Älteren in Relation zu den 20- bis 64-Jährigen) erhöht sich dadurch von rund 35 Prozent langfristig auf 55 Prozent. Das hat Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, die Einkommensverteilung und das Steuer-Transfer-System.

    So ist eine ausgewogene Altersstruktur unter anderem eine Grundvoraussetzung für ein langfristig stabiles Umlageverfahren. Nach dem Prinzip des Umlageverfahrens – auf dem beispielsweise die gesetzliche Rentenversicherung fußt – finanziert stets die junge (erwerbstätige) Generation mit ihren Beitragszahlungen die Leistungen der alten (vormals erwerbstätigen) Generation. Ein solcher Generationenvertrag funktioniert so lange, wie die relative Anzahl von Beitragszahlern und Leistungsempfängern ein angemessenes Verhältnis von Zahllast und Versorgungsleistung ermöglicht. Zwei zentrale Veränderungen können das Umlageverfahren somit aus dem Gleichgewicht bringen: Fehlende Nachkommen und eine längere Verweildauer im Ruhestand. Für die deutsche Bevölkerung treffen beide Aspekte zu. Die Geburtenrate ist seit den 1970er-Jahren konstant niedrig (wenngleich zuletzt leicht steigend), während die Lebenserwartung stetig zunimmt.

    Deutliche Bevölkerungsverschiebungen zeichnen sich auch innerhalb der Grenzen Deutschlands ab. Lediglich die Stadtstaaten Berlin und Hamburg wachsen, während alle anderen Bundesländer dem allgemeinen Trend folgend Bevölkerung verlieren werden. Dabei sind allerdings die ostdeutschen Bundesländer und das Saarland von erheblichen Schrumpfungen um bis zu 20 Prozent betroffen. In der Folge wird dort die Alterung überdurchschnittlich stark voranschreiten. So steigt der Altenquotient in Brandenburg beispielsweise auf über 70 Prozent. Die wirtschaftliche Dynamik in den deutschen Regionen wird spürbar durch diese demografischen Rahmenbedingungen geprägt.

     

    Detaillierte Prognosen und weiterführende Analysen finden Sie im neuen Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045.

    » Wachstum

    Deutschlands Wirtschaft wächst weiter. Gegenüber den vergangenen 20 Jahren bleibt das Wachstumstempo bis 2045 nahezu unverändert. Allerdings flacht die Kurve zum Ende des Prognosezeitraums hin merklich ab. Dahinter stehen zwei Entwicklungen:

    Zum einen der deutliche Rückgang der Personen im Erwerbsalter. Hier schlägt der demografische Wandel zu. Bereits 2025 liegt die Zahl der Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren um zwei Millionen niedriger als 2016. Bis 2045 beläuft sich der Rückgang auf fast acht Millionen oder 15 Prozent.

    Zum anderen steigt die Produktivität. Bedingt durch eine bessere Ausstattung der Arbeitsplätze mit Kapital, eine optimierte Arbeitsorganisation und unterstützt durch neue Möglichkeiten der Digitalisierung steigt der Bruttoproduktionswert je Arbeitsstunde im Durchschnitt um 1,6 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2045 erwirtschaftet jeder Erwerbstätige rund 100.000 Euro, das sind rund zwei Drittel mehr als 2016.

    Dabei bleibt die Industrie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ihre anhaltenden Exporterfolge sind eine wichtige Voraussetzung für den fortgesetzten Wachstumskurs. Die Nachfrage wachsender Mittelschichten in den heutigen Entwicklungs- und Schwellenländern trägt dazu ebenso bei wie hochtechnisierte Maschinen und Anlagen, die in vielen Ländern für die Produktion benötigt werden. Nicht zuletzt gelingt es der Fahrzeugindustrie, in den 2010er-Jahren verspieltes Vertrauen zurückzugewinnen und den Rückstand in der E-Mobilität langfristig in einen Vorsprung umzuwandeln. Möglich ist dies allerdings nur durch intensive Kooperationen mit den großen Internet-Unternehmen.

    Mit 1,3 Prozent pro Jahr liegt das Wachstum in Deutschland leicht unter dem EU-Durchschnitt (1,4 Prozent pro Jahr). Die USA wachsen mit knapp zwei Prozent merklich schneller. Die heutigen Entwicklungs- und Schwellenländer zeigen mit einem jahresdurchschnittlichen Wachstum von mehr als drei Prozent eine noch deutlich höhere Dynamik. So wird sich das Bruttoinlandsprodukt von China und Indien im Zeitraum von 2016 bis 2045 voraussichtlich nahezu verdreifachen.

    Die EU, die USA und China weisen 2045 eine vergleichbare Größe auf. Pro Kopf der jeweiligen Bevölkerung gerechnet, sind die Unterschiede aber auch am Ende des Prognosezeitraums noch gewaltig. Liegt der Wert für die USA dann bei 64.000 Euro im Jahr, erreichen die EU-Staaten im Durchschnitt 40.000 Euro und Deutschland 50.000 Euro. China bleibt mit 14.000 Euro pro Kopf weit dahinter zurück, in Indien beträgt im Jahr 2045 das Pro-Kopf-Einkommen weniger als 4.000 Euro.

     

    Detaillierte Prognosen und weiterführende Analysen sowie kompakte Branchenprofile für 32 Wirtschaftszweige finden Sie im neuen Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045

    » Soziale Sicherung

    Die Globalisierung und die Digitalisierung prägen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland in vielfacher Hinsicht. Die Fragen, was wir künftig produzieren, wie wir produzieren und vor allem wer produziert und Leistungen erbringt, sind abhängig von der globalen Nachfrage und dem technologischen Fortschritt. Gleichwohl bleibt der demografische Wandel die größte Herausforderung für die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland.

    Die zentralen Zweige der Sozialversicherung sind in Deutschland umlagefinanziert und damit von der Alterung der Bevölkerung betroffen. Die Einnahmen sind abhängig von der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Entwicklung ihrer beitragspflichtigen Löhne, die Höhe der Ausgaben bestimmt sich im Wesentlichen durch die Zahl der Leistungsempfänger. Niemand sollte sich von der aktuell guten Konjunktur gepaart mit Rekordbeschäftigung und sprudelnden Einnahmen im Steuersystem und in den Sozialkassen blenden lassen. Der demografische Wandel kommt. Er lässt sich gestalten, aber nicht wegreformieren. Auch nicht durch doppelte Haltelinien.

    Da die Leistungen – sei es in der Renten-, Kranken- oder Pflegeversicherung – in den höheren Altersgruppen anfallen, wirken Veränderungen in der Altersstruktur direkt kostentreibend. Aktuell versorgen noch etwa drei Erwerbstätige eine Person im Rentenalter, in 20 Jahren werden rechnerisch zwei Erwerbstätige die Leistungen stemmen müssen. Die Folge sind steigende Beitragsätze in den Sozialsystemen. Eine erfreuliche Ausnahme ist lediglich die Arbeitslosenversicherung. Hier wirkt der demografische Wandel positiv, sodass wir eher einen Fachkräftemangel als Erwerbslosigkeit erwarten.

    In den anderen Systemen besteht die Herausforderung, die zunehmenden Leistungsausgaben zu finanzieren. Für die Rentenversicherung erwarten wir – inklusive aktuellem Rentenpaket – trotz rückläufigem Rentenniveau einen spürbaren Anstieg des Beitragssatzes. Dieser wird langfristig auf knapp 24 Prozent ansteigen. Noch dynamischer – wenngleich auf niedrigerem Niveau – ist der Anstieg in der sozialen Pflegeversicherung. Hier wird ein enormer Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen in Kombination mit notwendigen Leistungsausweitungen dazu führen, dass sich der zur Finanzierung notwendige Beitragssatz annähernd verdoppelt. Und auch in der Krankenversicherung bringt die Alterung der Gesellschaft Mehrausgaben mit sich. Diese werden sich – selbst wenn der medizinisch-technische Fortschritt konservativ geschätzt wird – in einem um 20 Prozent höheren GKV-Beitrag niederschlagen.

    Neben den beschriebenen Finanzierungswirkungen stellt sich die Frage, ob die lohnzentrierte, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung künftig überhaupt noch die richtige Bemessungsgrundlage für die Sozialsysteme ist. Die Sicherungssysteme sind für die klassischen Arbeitsverhältnisse der Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts konzipiert. Schwankende Einnahmen, häufige Jobwechsel, internationale Mobilität werden nicht adäquat berücksichtigt.

     

    Weiterführende Analysen zu den Sozialen Sicherungssystemen, Reformszenarien und Handlungsoptionen finden Sie im neuen Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045

    » Arbeitsmarkt

    Auch wenn es angesichts der aktuellen Beschäftigungsrekorde sehr weit hergeholt erscheint: Das gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsvolumen wird in Deutschland künftig sinken. Ausschlaggebend hierfür ist der demografische Wandel. Daneben spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle.

    In Studien und Diskussionen wird im Zusammenhang mit dem Zeitalter der Automatisierung und der fortschreitenden Digitalisierung häufig das Ende der Arbeit heraufbeschworen. Dabei ist diese Prophezeiung nicht neu: Schon 1930 warnte John Maynard Keynes vor technologischer Arbeitslosigkeit, die sich infolge des beschleunigten technischen Fortschritts einstellen werde.

    Doch diese Warnung beachtete nicht, dass die Arbeitswelt ohnehin einem stetigen Wandel unterliegt. Das verkennen auch aktuellere Studien häufig. In der Vergangenheit sind immer schon Jobs ersetzt und automatisiert worden oder schlicht weggefallen. Es sind aber auch stets neue Jobs entstanden.
    Richtig ist allerdings, dass sich die Struktur der Arbeitsnachfrage nachhaltig verändern wird. So können zunehmend auch höherqualifizierte Arbeitskräfte, die vor allem repetitive und datenlastige Tätigkeiten ausüben, durch Maschinen ersetzt werden. Allerdings werden im Zuge der Digitalisierung auch neue, heute noch unbekannte Berufe und Tätigkeiten entstehen. Langfristig werden sich die positiven und negativen Entwicklungen in etwa ausgleichen.

    Das Arbeitsangebot lässt sich grundsätzlich über die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren abgrenzen. Aufgrund des demografischen Wandels geht diese bis 2045 um acht Millionen oder 15 Prozent zurück (siehe Dossier Demografie). Für die Struktur des Arbeitsangebots sind zudem die Präferenzen der potenziellen Arbeitnehmer ausschlaggebend. Hier dürften die heute noch bestehenden geschlechtsspezifischen Unterschiede in Zukunft kleiner werden. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung werden in Zukunft mehr ältere Personen arbeiten. Auch rechnen wir mit längeren Arbeitszeiten bei geringfügig und in Teilzeit beschäftigten Personen.

    Die positive Seite des knapper werdenden Personals ist ein weiterer Rückgang der Erwerbslosigkeit. Bis zum Jahr 2045 sinkt diese um etwa 500.000 Personen auf 1,3 Millionen Erwerbslose.

    Als Folge dieser Entwicklungen liegt das gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsvolumen im Jahr 2045 um fast neun Prozent unter dem Niveau des Jahres 2016. Hauptgrund hierfür ist die sinkende Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter. Steigende Erwerbsquoten, eine rückläufige Arbeitslosigkeit sowie längere Arbeitszeiten wirken zwar positiv auf das Beschäftigungsvolumen, können den demografisch bedingten Rückgang des Arbeitskräftepotenzials jedoch nur teilweise kompensieren.

     

    Detaillierte Prognosen und weiterführende Analysen finden Sie im neuen Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045

    » Bundesländer

    Regionalspezifische demografische, ökonomische und politische Faktoren haben die 16 Bundesländer in den vergangenen Jahrzehnten auf verschiedene Wachstumspfade geführt. Während das Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West seit der Jahrtausendwende kleiner geworden ist, haben die Einkommensunterschiede zwischen Nord und Süd zugenommen. Die zuletzt gute Konjunktur hat die Arbeitslosenquote in vielen Regionen bundesweit sinken lassen, doch Lohnunterschiede bleiben.

    In allen Ländern gleichermaßen „blühende Landschaften“ gibt es heute genauso wenig wie langfristig bis 2045. Die relativen Einkommensunterschiede zwischen Ost und West werden wieder zunehmen, ebenso das Nord-Süd-Gefälle. Vor allem die Stadtstaaten Hamburg und Berlin und die süddeutschen Flächenländer entwickeln sich dynamischer als der bundesweite Durchschnitt. Dem gegenüber stehen ostdeutsche Länder, deren reale Wirtschaftsleistung auf lange Sicht nahezu stagniert.

    Hintergrund ist die demografische Entwicklung. In nahezu allen Regionen wird das Arbeitskräftepotenzial langfristig zurückgehen. Die Bevölkerung schrumpft und sie wird immer älter. Die einzige Ausnahme bilden Berlin und Hamburg, die vom anhaltenden Zuzug in die Metropolen profitieren. Besonders stark von Alterung, Abwanderung und sinkendem Arbeitskräftepotenzial betroffen bleiben die ostdeutschen Flächenländer. Doch auch innerhalb der Flächenländer sind die Unterschiede groß. In urbanen Zentren wie Leipzig zum Beispiel wird die demografische Entwicklung positiver verlaufen als in den ländlichen Regionen Sachsens – und auch positiver als in einigen ländlichen Regionen anderer Länder, etwa in Bayern oder Niedersachsen.

    Prägend für das langfristige Wirtschaftswachstum ist neben der demografischen Entwicklung auch die Wirtschaftsstruktur. Unternehmen in Schlüsselbranchen wie dem Fahrzeugbau, dem Maschinenbau oder der Elektroindustrie sind in hohem Maße in globale Wertschöpfungsketten integriert. Diese Branchen werden auch künftig Wachstumsmotoren bleiben, weil ihr Geschäft stärker als das anderer Wirtschaftszweige von internationalem Handel, der wachsenden Mittelschicht in den Schwellenländern sowie der verstärkten Automatisierung und Digitalisierung angetrieben wird. Davon profitieren vor allem Baden-Württemberg und Bayern, aber auch Sachsen und Thüringen. In Hamburg und Hessen fördern anspruchsvolle Dienstleistungen der Finanz- oder Versicherungsbranche die wirtschaftliche Entwicklung.

    Insgesamt erwartet der Deutschland Report für Deutschland bis zum Jahr 2045 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent pro Jahr. Hamburg liegt mit einer jährlichen Zuwachsrate von 1,8 Prozent an der Spitze. Wachstumsschlusslicht ist Sachsen-Anhalt. Durch die unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung verändert sich das Wachstumsranking in der Pro-Kopf-Betrachtung recht deutlich. Hier liegen Hessen, Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg mit rund 1,5 Prozent pro Jahr praktisch gleichauf. In den östlichen Bundesländern liegen die Zuwachsraten bei knapp unter einem Prozent pro Jahr.

     

    Detaillierte Prognosen und weiterführende Analysen sowie kompakte Länderprofile der 16 Bundesländer finden Sie im neuen Deutschland Report 2025 | 2035 | 2045